Seminare 2019

Fortbildungsseminare

Antibiotika - Rückblick und Ausblick, Heidelberg, 18.03.2020

Details
 

Beschreibung

Diese Fortbildungsveranstaltung findet in Kooperation mit der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie des Universitätsklinikums Heidelberg statt.
Obgleich immer mehr Resistenzen die Behandlung von Infektionen schwieriger machen, verlassen jährlich forschende Pharmafirmen das Forschungsgebiet der Antibiotika-Entwicklung. Das ist insofern sehr bedrohlich, als dass Bakterien nicht nur gegen ein Antibiotikum resistent sind, sondern dass immer häufiger multiresistente Bakterien beobachtet werden. Hier wäre es wichtig, wenn neue Anti-Infektiva mit einer neuen Struktur und einem neuen Wirkmechanismus entwickelt würden, damit wir einen längeren Zeitraum hätten, bis die Bakterien Resistenzmechanismen gegen diese Substanzen geschaffen haben, als bei neuen Antibiotika aus altbekannten Klassen.
Lange Jahre war es der multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA), der schwer zu bekämpfen war, da es nur Vancomycin als letzte Waffe gab. Gegen den MRSA sind wir im Augenblick ganz gut aufgestellt, da mit Linezolid, Tigecyclin und einigen neuen Cephalosporinen gut wirksame Antibiotika zur Verfügung stehen. Heute wäre es wichtig, mehr Substanzen zu haben, die gegen multiresistente Gram-negative Bakterien (MRGNs) eingesetzt werden könnten. Die Entwicklung solcher Antibiotika ist aber auf Grund der komplexen Membran der Gram-negativen Bakterien, die einerseits eine schwer zu überwindende Barriere darstellt und andererseits eine Vielzahl von Effluxpumpen aufweist, schwierig. Kleine, nicht zu globuläre, protonierbare Amin-Antibiotika können die Poren-bildenden Proteine (Porine) für die Penetration in das Bakterium nutzen. Es stellt sich die Frage, wie viele solcher Substanzen gegen MRGN befinden sich in der Pipeline und können uns in naher Zukunft helfen, Infektionen mit diesen multiresistenten Bakterien zu heilen. Die Zahl der neuartigen Antibiotika ist sehr klein; zumeist gibt es nur Variationen schon bekannter Gruppen. Ein gewisses Innovationspotenzial haben Membran-adressierende Antibiotika, wie Murepavadin und Brilacidin, Pleuromutiline und Topoisomerase-Inhibitoren, die an das Topoisomerase-Enzym anders binden als die Fluorchinolone (Zoliflodacin und Gepotidacin). Hinzukommen strukturell neue Betalactamase-Inhibitoren, die die Lactamantibiotka-hydrolysierende Enzyme nicht nur effektiver und sondern auch gleich mehrere Subtypen des Enzyms inhibieren, wie Avibactam, Relebactam oder Vaborbactam. Auf diese Weise können sie in Kombination im Handel befindliche ß-Lactamantibiotika wieder ertüchtigen.

Referenten

Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe  (Apothekerin)

Zielgruppe(n):

Pharmazeutisches Personal

Adressen und Anmeldung

Mi, 18.03.2020, 20:00 ‐ 21:30 Uhr
69120 Heidelberg
Universität Heidelberg Hörsaal Medizinische Klinik (Krehl-Klinik), Im Neuenheimer Feld 410

Eine Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist nicht erforderlich!

Die Teilnahme ist kostenlos