Lieferengpässe: Aktuelles

Anhaltende Lieferengpässe bei vielen Arzneimitteln führen derzeit zu einem besorgniserregenden Versorgungsproblem, insbesondere bei Kindern mit teilweise schweren Atemwegsinfekten. Es stehen weder fiebersenkende Fertigarzneimittel noch bestimmte Antibiotika in ausreichender Menge zur Verfügung. Darüber hinaus sind zahlreiche andere Arzneimittel, die bei einer Vielzahl von Indikationen eingesetzt werden, derzeit ebenfalls nicht lieferbar. Die Apotheken versuchen diese Lieferengpässe mit großem Aufwand durch gleichwertige Alternativen oder im Falle von fiebersenkenden Präparaten durch selbst hergestellte Arzneimittel auszugleichen.

Zu den nachfolgenden Präparaten finden Sie weitere behördliche Informationen.

Insbesondere in der Pädiatrie dringend benötigte Suspensionen zum Einnehmen sowie Zäpfchen mit Paracetamol sind zurzeit von Lieferdefekten oder zumindest von regionalen Lieferengpässen betroffen.

Wir informieren Sie zu offiziellen Informationen der Behörden, praktischen Hilfestellungen für die Rezepturherstellung sowie weiteren Informationen für Eltern zur Einnahme alternativer Darreichungsformen.

Lieferengpässe bei Antibiotika und anderen lebenswichtigen Arzneimitteln treten seit Jahren immer wieder auf und dauern teils einige Monate an. Derzeit kommt es auf dem deutschen und internationalen Arzneimittelmarkt erneut zu besorgniserregenden Lieferengpässen bei Antibiotika.

Das BfArM berichtet über vermehrte Meldungen zur Nicht-Verfügbarkeit verschiedener Antibiotika seit Herbst 2022 über dessen Lieferengpass Online Portal. Diese betreffen vornehmlich Breitspektrum Antibiotika, die bei einer Vielzahl bakterieller Infektionen zum Einsatz kommen, aber auch Penicillin V als Beta-Lactam-Antibiotikum zum Einsatz bei u.a. Streptokokken und anderen grampositiven Erregern. Grund für die gemeldeten Lieferengpässe sei ein deutlich gestiegener Bedarf, der nicht kompensiert werden könne, da die Produktionskapazitäten zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichen.

Das BfArM informiert hierzu ausführlich auf dessen Internetseite.


AMK: Tabellen zum Austausch von Antibiotika für Kinder aktualisiert

Mit der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung (SARS-CoV-2-AM-VersVO) wird Apotheken die Möglichkeit eingeräumt, nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt ein pharmakologisch-therapeutisch vergleichbares Arzneimittel (Aut-simile) abzugeben, sofern zum verordneten Arzneimittel kein wirkstoffgleiches Präparat verfügbar oder lieferbar ist. Die SARS-CoV-2-AM-VersVO gilt derzeit bis 7. April 2023.

Aktuelle Lieferengpässe betreffen insbesondere flüssige Darreichungsformen von Antibiotikazubereitungen, weshalb ein Aut-simile-Austausch erforderlich sein kann. Die AMK stellt seit April 2020 Apotheken diverse Vergleichstabellen zu Äquivalenz- beziehungsweise Tagesdosen ausgesuchter Wirkstoffklassen zur Verfügung. Insbesondere die Übersichtstabellen zu oralen Antibiotika sowie folgende Vergleichstabellen für Kinder bei Atemwegsinfektionen wurden nun überprüft und aktualisiert:

  • Antibiotika zur Behandlung der Otitis media
  • Antibiotika zur Behandlung der akuten Tonsillopharyngitis
  • Antibiotika zur Behandlung der Pertussis
  • Antibiotika zur Behandlung der leichtgradigen ambulant erworbenen Pneumonie

Die jeweils aktuelle Fassung der Vergleichsdosistabellen finden Sie hier.

Die AMK bittet Apothekerinnen und Apotheker Verdachtsfälle von Arzneimittelrisiken im Zusammenhang mit einem Lieferengpass unter www.arzneimittelkommission.de zu melden.


Empfehlung der deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) zu Alternativen in der pädiatrischen Antibiotikatherapie

Die DPGI informiert in einer aktuellen Empfehlung (Stand 18.12.2022) indikationsbezogen über mögliche Alternativen im Falle einer Nichtverfügbarkeit im Rahmen des Versorgungsengpasses im Winter 2022/2023.

Versorgungsmangel Folinsäure-haltiger Arzneimittel

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat am 8. Dezember 2022 einen Versorgungsmangel mit Folinsäure-haltigen Arzneimitteln bekanntgegeben (BAnz AT 12.12.2022 B8). Ursache des Engpasses sind Produktionsprobleme verschiedener Hersteller.

Bereits seit Anfang 2022 besteht durch Kumulation verschiedener Ursachen ein kritischer Engpass in der Versorgung mit Calciumfolinat-haltigen Arzneimitteln in parenteralen Darreichungsformen.

Calciumfolinat wird eingesetzt in der zytotoxischen Therapie zur „Calciumfolinat-Rescue", um die Giftigkeit und die Wirkung von Folsäure-Antagonisten (wie Methotrexat) in der Krebstherapie oder deren Überdosierung bei Erwachsenen und Kindern zu verringern oder ihnen entgegenzuwirken sowie zur Kombinationsbehandlung mit 5-Fluorouracil in der Krebstherapie.

Über den aktuellen Stand der Versorgung, die Hintergründe und die abgestimmte Maßnahmen informiert das BfArM auf dessen Internetseite ausführlich.

Weitere behördliche Informationen im zeitlichen Verlauf

Versorgungsmangel Tamoxifen-haltiger Arzneimittel

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat am 18. Februar 2022 einen Versorgungsmangel mit Tamoxifen-haltigen Arzneimitteln bekanntgegeben (BAnz AT 18.02.2022 B6). Die Regierungspräsidien in Baden-Württemberg haben daraufhin eine Allgemeinverfügung erlassen, die zur Sicherstellung der Versorgung mit Tamoxifen-haltigen Arzneimitteln ein befristetes Abweichen von den Vorgaben des AMG ermöglicht. Auf dieser Grundlage wird eine vereinfachte Gestattung zum Import von Warenbeständen ermöglicht. Die Angaben zu den importierten Arzneimitteln werden auf der Website des BfArM publiziert.

Weitere behördliche Informationen im zeitlichen Verlauf

Wichtige Informationsquellen zu aktuellen Lieferengpässen sowie zu behördlichen Maßnahmen

Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK)

Die AMK veröffentlicht neben Pharmakovigilanz-relevanten Informationen der Institutionen, Behörden und Herstellern auch Informationen zu aktuell bestehenden Lieferengpässen.

Zu den aktuellen AMK-Nachrichten

Informationen und Maßnahmen des BfArM im Bereich Lieferengpässe

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert nicht nur über aktuelle Lieferengpässe.

Neben der Lieferengpass-Datenbank finden sich auf der Homepage des BfArM darüber hinaus wichtige Informationen zu Maßnahmen im Bereich Lieferengpässe.

Werden beispielsweise zur Sicherstellung der Versorgung mit Arzneimitteln im Einzelfall bestimmte Arzneimittel mit einer ausländischen Kennzeichnung in den Verkehr gebracht, ist die entsprechende Anordnung mit Begleitinformation unter www.bfarm.de im Bereich Arzneimittel > Arzneimittelinformation > Lieferengpässe einsehbar. Darüber hinaus gibt es dort weitere, für die Arzneimittelversorgung relevante Informationen für Fachkreise.