Seminare 2021

Fortbildungsseminare

Antibiotika - Rückblick und Ausblick, Heidelberg, 01.06.2022

Details
 

Beschreibung

Diese Fortbildungsveranstaltung findet in Kooperation mit der Abteilung Klinische Pharmakologie und
Pharmakoepidemiologie des Universitätsklinikums Heidelberg statt. Obgleich immer mehr Resistenzen
die Behandlung von Infektionen schwieriger machen, verlassen jährlich forschende Pharmafirmen das
Forschungsgebiet der Antibiotika-Entwicklung. Das ist insofern sehr bedrohlich, als dass Bakterien nicht
nur gegen ein Antibiotikum resistent sind, sondern dass immer häufiger multiresistente Bakterien
beobachtet werden. Hier wäre es wichtig, wenn neue Antiinfektiva mit einer neuen Struktur und einem
neuen Wirkmechanismus entwickelt würden, damit wir einen längeren Zeitraum hätten, bis die Bakterien
Resistenzmechanismen gegen diese Substanzen geschaffen haben, als bei neuen Antibiotika aus
altbekannten Klassen. Lange Jahre war es der multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA), der
schwer zu bekämpfen war, da es nur Vancomycin als letzte Waffe gab. Gegen den MRSA sind wir im
Augenblick ganz gut aufgestellt, da mit Linezolid, Tigecyclin und einigen neuen Cephalosporinen gut
wirksame Antibiotika zur Verfügung stehen. Heute wäre es wichtig, mehr Substanzen zu haben, die
gegen multiresistente Gram-negative Bakterien (MRGNs) eingesetzt werden könnten. Die Entwicklung
solcher Antibiotika ist aber auf Grund der komplexen Membran der Gram-negativen Bakterien, die
einerseits eine schwer zu überwindende Barriere darstellt und andererseits eine Vielzahl von
Effluxpumpen aufweist, schwierig. Kleine, nicht zu globuläre, protonierbare Amin-Antibiotika können die
Poren-bildenden Proteine (Porine) für die Penetration in das Bakterium nutzen. Es stellt sich die Frage,
wie viele solcher Substanzen gegen MRGN befinden sich in der Pipeline und können uns in naher
Zukunft helfen, Infektionen mit diesen multiresistenten Bakterien zu heilen. Die Zahl der neuartigen
Antibiotika ist sehr klein; zumeist gibt es nur Variationen schon bekannter Gruppen. Ein gewisses
Innovationspotenzial haben Membran-adressierende Antibiotika, wie Murepavadin und Brilacidin,
Pleuromutiline und Topoisomerase-Inhibitoren, die an das Topoisomerase-Enzym anders binden als die
Fluorchinolone (Zoliflodacin und Gepotidacin). Hinzukommen strukturell neue Betalactamase-Inhibitoren,
die die Lactamantibiotka-hydrolysierende Enzyme nicht nur effektiver und sondern auch gleich mehrere
Subtypen des Enzyms inhibieren, wie Avibactam, Relebactam oder Vaborbactam. Auf diese Weise
können sie in Kombination im Handel befindliche ß-Lactamantibiotika wieder ertüchtigen.

Referenten

Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe  (Apothekerin)

Zielgruppe(n):

Pharmazeutisches Personal

Adressen und Anmeldung

Mi, 01.06.2022, 20:00 ‐ 21:30 Uhr
69120 Heidelberg
Universität Heidelberg Hörsaal Medizinische Klinik (Krehl-Klinik), Im Neuenheimer Feld 410

Eine Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist nicht erforderlich!

Die Teilnahme ist kostenlos