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Örtliche Apotheken in der Coronakrise: Erste Anlaufstellen für Patienten – Apotheker berichten

07.04.2020

Die örtlichen Apotheken sind oftmals die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten. Besonders während der momentanen Coronakrise werden die Apotheken vermehrt aufgesucht. Auch in dieser schweren Zeit sind die Apotheken für die Ängste und Sorgen der Bevölkerung da und unterstützen diese mit Rat und Tat und natürlich Arzneimitteln. Apotheker aus der Region berichten über die momentane Situation.

Silke Laubscher, angestellte Apothekerin in der Linden Apotheke in Heidelberg und Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, sowie Dr. Peter Kaiser, Apothekeninhaber der Trauben-Apotheke in Fellbach und Vorstandsmitglied der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, berichten über den Alltag in den Apotheken und die aktuellen Herausforderungen.

Silke Laubscher ist seit 22 Jahren Apothekerin und arbeitet in der Linden Apotheke in Heidelberg:

„Für zwei bis drei Wochen hatten wir wesentlich mehr Kunden als sonst“, berichtet Apothekerin Silke Laubscher. „Ich hatte das Gefühl, dass die Kunden Vorräte anlegen - sowohl von ihrer Dauermedikation als auch von Erkältungspräparaten, Paracetamol oder auch von Vitamin C. Mittlerweile hat sich die Situation bei uns in der Linden Apotheke aber wieder etwas entspannt.“ Grund zum Hamstern gibt es nicht. Bisher konnten alle Patienten in der Linden Apotheke versorgt werden. Sollte ein Arzneimittel nicht lieferbar sein, wird eine Alternative gefunden.

Auch die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Mundschutz-Masken ist aktuell sehr groß. „Desinfektionsmittel geben wir zur Zeit nur noch an Ärzte, Pflegediente oder Patienten mit besonderen Vorerkrankungen ab“, so die Apothekerin. Wie die meisten Apotheken kann die Linden Apotheke derzeit keine Masken anbieten.

Um das pharmazeutische Personal und die Kunden zu schützen, wurden an den Handverkaufstischen der Linden Apotheke Plexiglasscheiben angebracht. Auf dem Boden der Apotheke kennzeichnet rot-weißes Klebeband den Abstand von 1,5 Metern und die Anzahl der Kunden, die sich gleichzeitig im Verkaufsraum aufhalten dürfen, wurde auf 3 begrenzt. „Die Kunden sind größtenteils sehr verständnisvoll. Mittlerweile kennt man solche Maßnahmen ja auch aus anderen Bereichen“, erklärt Silke Laubscher. Der Botendienst der Linden Apotheke wird zurzeit verstärkt in Anspruch genommen, besonders auch von Risikopatienten und Personen mit Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus.

Gerade jetzt kommen die Kunden besonders oft in die Apotheke, um verlässliche Informationen zur aktuellen Lage zu erhalten. „Wir beraten nicht nur zu Arzneimitteln oder gesundheitlichen Fragestellungen. Oftmals sind die Kunden verunsichert und möchten mit uns besprechen, wie sie sich oder ihre Angehörigen am besten vor einer Infektion schützen können. In der Apotheke gibt es meistens nur geringe Wartezeiten, man braucht keinen Termin und bekommt kostenlos eine fundierte Beratung. Das nutzen viele unserer Kunden. Besonders in Zeiten von Fake News ist ihnen der persönliche und vertrauensvolle Umgang sehr wichtig“, fasst Silke Laubscher zusammen.

Dr. Peter Kaiser ist seit 38 Jahren Apotheker und seit 35 Jahren Inhaber der Trauben-Apotheke in Fellbach:

Seit zwei Wochen befindet sich das Team der Trauben-Apotheke im Krisen-Modus. Momentan kommen doppelt so viele Kunden als üblicherweise in die Apotheke. Damit das Ansteckungsrisiko dabei so gering wie möglich bleibt, hat Apothekeninhaber Dr. Peter Kaiser verschiedene Arbeitsschutzmaßnahmen ergriffen. Neben Aushängen, die die Kunden auf genügend Abstand hinweisen, wurden die Laufwege und der Bedienplatz vor dem Handverkaufstisch markiert. „Um das Apothekenpersonal zu schützen, haben wir Plexiglasscheiben zwischen dem pharmazeutischen Personal und den Kunden angebracht. Wir achten zudem auf kontaktlose Bezahlung und trennen das Verkaufspersonal vom Back-Office-Personal. Ab nächster Woche gibt es sogar zwei Schichten. Wir tun alles, um unsere Kunden und uns zu schützen und somit weiterhin für die Kunden da zu sein“, so Dr. Peter Kaiser.

Dazu gehört es auch, die Medikamente mittels Botendienst nach Hause zu bringen. Die Apotheke hat hierfür extra einen Studenten eingestellt. Die Beratung erfolgt telefonisch und die Übergabe der Medikamente findet kontaktlos statt. Die Kunden haben die Möglichkeit, die Medikamente später zu bezahlen oder den Betrag zu überweisen. Auch Altersheime werden auf diese Art beliefert.

An ein Kundengespräch kann er sich noch genau erinnern: Eine 70-jährige Kundin mit Vorerkrankung, die sich infiziert hat und nach erfolgreicher Genesung wieder in die Apotheke kam, um Medikamente zu holen. „Das Gespräch mit den Kunden ist sehr wichtig. Umso schöner ist es, wenn es positive Nachrichten gibt. Die Kunden kommen aber auch zu uns, wenn sie verunsichert sind. Wir beruhigen und besprechen, wie sie sich zu verhalten haben und worauf sie derzeit achten müssen. Die Hotlines sind oft überlastet. Der niederschwellige Zugang und die physische Anwesenheit von uns gibt den Menschen Sicherheit. Ich hoffe, dass die Politik sieht, was für einen Job wir leisten und dies auch in Zukunft wertschätzt“, so Kaiser.

Der Apotheker möchte aber auch aufklären: „Hamsterkäufe sind nicht nötig. Wir haben bisher alle Patienten mit Arzneimitteln versorgen können. Falls ein bestimmtes Arzneimittel nicht lieferbar ist, haben wir bisher immer eine Lösung gefunden und werden dies auch in Zukunft tun.“

Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, fasst abschließend zusammen: „In der aktuellen Situation zeigt sich einmal mehr, dass die örtlichen Apotheken wichtige Ansprechpartner für die Bevölkerung sind. Die Apotheken vor Ort tragen aktuell nicht nur zur Arzneimittelversorgung der Bevölkerung bei, sondern entlasten Ärzte und Krankenhäuser und damit das Gesundheitssystem. Mit ihrer Beratungskompetenz sind Apotheken auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen für die Patienten/-innen da. Örtliche Apotheken sind unverzichtbar und müssen zum Wohle der Patienten/-innen unbedingt erhalten bleiben und gestärkt werden. Der Versandhandel nutzt derzeit die Notlage schamlos aus und prahlt mit gestiegenen Umsätzen.“

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