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Apotheken-Schelte fehl am Platz – Erst denken, dann reden.

03.02.2010

Zum jüngsten Bericht der ARD-Sendung Report aus Mainz äußert sich Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg:  „Die Kritik am mangelnden Wettbewerb im Apothekenmarkt durch die Herren Lauterbach und Glaeske entbehrt jeglicher Grundlage. Apotheken, die sich im existierenden Wettbewerb zwischen den über 21.500 Apotheken in Deutschland nicht durchsetzen können, verschwinden vom Markt. Deshalb sind Apotheker gezwungen, sich durch Fortbildung, Spezialisierung und herausragende Beratung der Patienten ihren Platz im Konkurrenzkampf zu sichern.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Prof. Karl Lauterbach, spricht von „überflüssigen Gewinnen“ in Apotheken, die man einsparen könnte und schwadroniert über ein Einsparpotential von rund einer Milliarde Euro.
Die deutschen Apotheken „kosteten“ die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 2008 jedoch gerade mal 4,15 Milliarden Euro. Damit decken die Apotheken 2/3 ihrer Kosten. Ein weiteres Drittel erwirtschaften die Apotheken unabhängig von den Mitteln der GKV. Allein 4,35 Milliarden Euro mussten die Krankenkassen im Jahr 2009 an den Fiskus für die 19% Mehrwertsteuer auf Arzneimittel abführen, also mehr als für alle Apotheken zusammen. Hier könnte man locker die Milliarden sparen, die Herr Lauter-bach anspricht und die man den Krankenkassen nicht mehr aus dem Steuertopf ge-ben müsste.

Die oben angesprochenen 4,15 Milliarden Euro GKV-Mittel werden den über 21.500 Apotheken in Deutschland zur Verfügung gestellt um für über 145.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Arbeitsplatz für die Bevölkerung zu gewährleisten. Die ge-setzlichen Krankenkassen, denen die „Experten“ Lauterbach und Prof. Dr. Gerd Glaeske Kosten ersparen wollen, kosten die Beitragszahler mit ca.137.000 Mitarbeitern (ca. 8.000 weniger als in Apotheken) Verwaltungskosten in Höhe von brutto 10,5 Mrd. Euro jährlich (2008). Da verwundert es, dass diese „Experten“ Einsparpotentiale in aller erster Linie bei den Apotheken sehen.


Noch fadenscheiniger ist die Forderung von Herrn Lauterbach nach einer Stärkung des Versandhandels mit Arzneimitteln. Dies sei schlicht bequemer, so Lauterbach. Dabei ist insbesondere seit der generellen Öffnung des Versandhandels ab dem 01.01.2004 die Zahl der Arzneimittelfälschungen rapide angestiegen. Ferner bedürfen Arzneimittel der intensiven Beratung. Schließlich stellen sie ein besonderes Gut dar, welches durch Neben- und Wechselwirkungen oder durch falsche Einnahme für den Patienten sehr gefährlich sein kann. Diese Beratung in der örtlichen Apotheke kann weder durch den Versandhandel noch durch Pickup-Stellen  geleistet werden.

Ca. 65 % der Bundesbürger gehen bei kleineren gesundheitlichen Beschwerden zuerst in die Apotheke. Durch Hinweise für eine wirksame Selbstmedikation des Patienten können so Arztbesuche vielfach verhindert werden. Damit hilft der Apotheker sogar, Geld zu sparen. Dass dann dieser Professor aus Bremen, Glaeske, ein Drittel der Apotheken zur Disposition stellt, ist kurzsichtig und nicht durchdacht. Nur Apotheken bieten niederschwelligen Zugang zu kompetenter Beratung in allen Fragen der Arz-neimittelversorgung, flächendeckende und wohnortnahe Arzneimittelversorgung, Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit von etwa 2.000 Apotheken deutschlandweit im Nacht- und Notdienst, Herstellung individueller Rezepturen, sichere und sachgerechte Lagerung von Arzneimitteln, täglich stichprobenartige Überprüfung von Arzneimitteln, ständige Verfügbarkeit der wichtigsten Arzneimittel und notfalls Beschaffung der benötigten Arznei binnen weniger Stunden. Das wäre mit weniger Apotheken in dieser Form nicht leistbar.

Wer die flächendeckende Versorgung mit Apotheken in Frage stellt, Deutschland liegt bei der Apothekendichte in Europa etwa im Mittelfeld, handelt kurzsichtig und keines-wegs im Interesse der Bürger. „Si tacuisses, philosophus mansisses“ ( „Wenn du ge-schwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben“). Durch ihre unqualifizierten und wenig durchdachten Äußerungen disqualifizieren sich diese „Experten“ selbst. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen zu wissen glauben, was für die Menschen am besten sei. Warum vertraut man nicht auf das Urteil der 4 Millionen Menschen, die täglich eine Apotheke aufsuchen?

Diese Pressemitteilung erhalten Sie hier als pdf-Dokument.

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