- 11.06.2026
Symposium Krisenpharmazie Wenn der Ernstfall eintritt
Auf der Wachenburg in Weinheim mit dem weiten Blick von der Badischen Bergstraße bis in die Pfalz scheint die Welt noch in Ordnung. Doch am 10. Juni kamen dort etwa 80 Leute zusammen, die sich mit der Frage beschäftigten: Was, wenn die Welt nicht mehr in Ordnung ist? Was, wenn Krisen, Krieg oder ein Spannungsfall die Arzneimittelversorgung gefährden und gewohnte Bezugs- und Versorgungswege nicht mehr funktionieren?
Ein breites Publikum war dafür nach Weinheim angereist: Kolleginnen und Kollegen aus der Offizin und Selbstverwaltung, Vertreterinnen und Vertreter aus dem Sozialministerium und der Verwaltung, Ärztinnen und Ärzte sowie hochrangige Vertreter aus der Bundeswehr.
Im Mittelpunkt des Tages stand die zivil-militärische Zusammenarbeit und die Frage, welche Aufgaben die Apotheke vor Ort im Falle einer Landes- oder Bündnisverteidigung oder eines anderen Katastrophenszenarios übernehmen und leisten kann.
Der Vormittag der Veranstaltung stand ganz im Zeichen der militärischen Sichtweise. Die Vertreter der Bundeswehr gaben in ihren Vorträgen ein eindrückliches Bild der aktuellen Sicherheitslage und machten deutlich, wie wahrscheinlich ein Spannungsfall tatsächlich ist und dass Vorbereitungen der Zivilgesellschaft heutzutage nicht mehr nur erwünscht, sondern geboten sind. Durch den Vortrag des ukrainischen Kriegschirurgen Dr. med. Artem Bespalenko wurde allen Anwesenden nicht nur bewusst, wie real Krieg in Europa ist, sondern auch, welche Folgen Kriegsverletzungen für die medizinische Versorgung haben.
Den verschiedenen Vorträgen der militärischen Vertreter war eine Botschaft gemein: Ohne die Zivilgesellschaft geht es nicht. Ohne die Apotheken vor Ort geht es nicht, denn die Strukturen der Bundeswehr reichen nicht aus, um im Kriegs- oder Spannungsfall die schätzungsweise 1.000 Verletzten pro Tag sowie die nach Deutschland Flüchtenden zu versorgen. In diesem Fall wird das zivile Gesundheitssystem bis an seine Grenzen und darüber hinaus gehen müssen, um eine Versorgung aller zu ermöglichen.
Was kann die Apothekerschaft heute schon tun, um im Kriegs- oder Spannungsfall gewappnet zu sein?
Das war die Kernfrage des Nachmittags. Dieser begann mit einigen Impulsen seitens des Sozialministeriums, des Landkreistags sowie der Ärzte- und Apothekerschaft und fand in einer großen Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung seinen Höhepunkt. Hier diskutierten die Teilnehmenden über mögliche Zusammenarbeit. Sie sprachen auch über die realistische Umsetzung. Außerdem erörterten sie über die Frage, auf welche Kernthemen man sich konzentrieren muss. Offen wurde darüber gesprochen, welche Arzneimittel (besonders Antibiotika, Schmerzmittel, Psychopharmaka und Dauermedikationen) und welche Hilfsmittel und Sanitätsmaterial (Wundversorgung, Infusionsbeutel) unbedingt notwendig sind.
Die Diskussion und der Tag zeigten, dass noch viele Fragen offen sind. Er zeigte jedoch auch, an wie vielen Stellen schon heute Vorbereitungen getroffen werden und dass der Ernstfall kein Chaos bedeutet, sondern mit guter Kommunikation und Logistik zu meistern ist. Ein zweites Symposium ist dafür schon angedacht.